Finde eine passende Einsteiger-Kamera
Eine oft an mich gestellte Frage – vor allem von Einsteiger*innen gestellt. Sie ist absolut berechtigt.
Es ist gar nicht so einfach, ein Kameramodell zu finden, welches den Einstieg in das Hobby Fotografie unterstützt, gleichzeitig Spaß macht und nicht schon nach einem Jahr durch ein neues, „fortschrittlicheres“ Modell, ersetzt werden muss.
Kameramarken und -modelle gibt es heute in schier unüberschaubarer Anzahl. Eine gute, bedürfnisorientierte Beratung im Fotofachgeschäft gibt es immer seltener. Bleibt nur das Internet: Online-Foren, Youtube, ChatGPT.
Aus meiner Erfahrung gibt es nicht die eine, perfekte Kamera, die alles kann. Jedes Kameramodell hat Stärken und Schwächen. Technisch sind selbst Einsteigermodelle auf einem hohen Qualitätslevel. Viele entscheidender finde ich die Fragen:
- Komme ich gut mit den Menüeinstellungen zurecht?
- Sind die Knöpfe und Einstellräder für mich gut zu bedienen?
- Liegt die Kamera mit Objektiv gut in der Hand?
- Passen Größe und Gewicht von beiden?
Falls du ein beschränktes Budget hast (wer hat das am Anfang nicht), kaufe nicht die teuerste Kamera, sondern investiere lieber mehr in gute Objektive. Denn sie bestimmen oft viel mehr über die Bildqualität als die Kamera selbst.
Natürlich sind die nachfolgenden Infos meine absolut individuelle Meinung und es gibt ganz viele andere Herangehensweisen an diese Frage, die ebenso ihre Berechtigung haben. Meine Meinung basiert auf über 30 Jahren Fotografie-Erfahrung als Profi und über 10 Jahren als Dozent.
Die verschiedenen Kamera-Typen
Zunächst solltest du dich für einen Kamera-Typen entscheiden, der am besten zu deinen aktuell formulierten, fotografischen Bedürfnis passt.
Nimmst du sie vor allem mit auf Reisen, fotografiert du gerne deinen Alltag oder hast du spezielle Themen im Kopf, wie Landschafts-, Porträt-, Sport- oder Tierfotografie.
Grob kann man folgende Kamera-Typen unterscheiden:
- Kompaktkameras
- Bridgekameras
- Spiegellose Systemkameras
- Spiegelreflexkameras
Die Kompaktkameras
Diese Kameras haben in der Regel einen recht kleinen Sensor (meist 1 Zoll oder kleiner), ein fest verbautes Objektiv und weniger manuelle Einstellmöglichkeiten. Also eher für Schnappschüsse geeignet, denn für bewusstes Fotografieren.
Eine Ausnahme machen die sog. „Edel-Kompakten“ von z.B. Leica oder Ricoh. Diese liefern eine hohe Bildqualität, sind auch manuell einstellbar und leider ziemlich teuer.
Als Einstiegskamera halte ich sie allerdings für ungeeignet, da sie schon recht viel fotografisches Wissen erfordern, um sie wirklich sinnvoll einsetzen zu können.
Die Bridgekameras
Sie stellen sozusagen die Brücke zwischen der Kompaktkamera und der spiegellosen Systemkamera dar. Diese Kameras haben ein festverbautes Zoomobjektiv mit einem ziemlich großen Brennweiten-Bereich (oftmals 24-600 oder gar bis 1000mm). Sie sind relativ kompakt und leicht. Außerdem entfällt der manchmal lästige Objektivwechsel.
Das macht sie zu willkommenen Reisebegleiterinnen und sie werden sehr gerne für Tiersafari-Reisen gekauft.
Nachteilig ist der kleine Sensor (meistens 1 Zoll), der eine geringere Detailauflösung hat und schneller zu Bildrauschen bei höheren ISO-Werten führt. Die sog. Lichtstärke des Objektivs (kleinste einstellbare Blendenzahl) ist im Tele-Bereich oft nicht berauschend. Das kann gerade bei schlechten Lichtverhältnissen zu verrauschten oder verwackelten Bildern führen.
Überhaupt lassen wenig Spielraum bei den Blendenzahlen zu. Bei Blende 11 ist nach oben hin oftmals Schluss. Ungünstig wenn du gerne Langzeitbelichtungen machen möchtest.
Wer gerne weitwinklige Landschaften oder Architektur fotografiert, kommt mit Bridgekameras möglicherweise an die Grenze, da sie keinen besonders großen Bildwinkel erlauben.
Die Spiegelreflexkameras (DSLR)
Über 20 Jahre bildeten sie das Rückgrat der Digitalfotografie, heutzutage stellen sie leider ein Auslaufmodell dar. Die beiden Marktführer haben die technische Weiterentwicklung zugunsten der spiegellosen Kameras eingestellt.
Für Einsteiger kann eine DSLR nach wie vor eine gute Wahl sein, insbesondere wenn es darum geht, die Grundlagen der Fotografie zu erlernen. Auch eine solche Kamera wird dich jahrelang begleiten, ohne, dass du an ihre Grenzen stößt.
Es werden immer noch Kameramodelle verkauft und es gibt eine sehr große Auswahl an passenden Objektiven. Auch auf dem Gebrauchtmarkt kann man echte Schnäppchen machen und ehemals hochpreisige Modelle günstig erwerben.
Gerade die Objektive kann man oftmals noch via Adapter ohne Einschränkungen an spiegellosen Kameras verwenden. Somit ist auch ein zukünftiger Umstieg auf eine spiegellose Kamera bezahlbar, da das Equipment nicht komplett neu gekauft werden muss.
Spiegelreflex Vor- und Nachteile
Vorteile
- Optischer Sucher – liefert eine verzögerungsfreie, natürliche Bilddarstellung bei geringem Stromverbrauch.
- Längere Akkulaufzeit – ohne ständigen Betrieb der LiveView-Funktion (fotografieren mit dem hinteren Display) hält der Akku meist deutlich länger als bei spiegellosen Systemkameras.
- Große Objektivauswahl – Eine Vielzahl von Objektiven in allen Preiskategorien, auch von Fremdherstellern wie Sigma oder Tamron, stehen zur Verfügung. Es gibt darüberhinaus einen riesigen Gebrauchtmarkt.
- Günstiger im Einstieg – zumindest gebraucht gibt es viele preiswerte DSLRs mit hervorragender Bildqualität. Kaufst du bei einem Händler, kannst du sicher sein, dass die Fun ktionstüchtigkeit überprüft wurde und du erhältst eine Garantie.
- Robuste & bewährte Technik – es handelt sich um mechanisch ausgereifte Systeme in robuster Bauweise. Anfällige Elektronik ist in geringerem Maße verbaut.
Nachteile
-
- Oft etwas größer & schwerer – der Spiegelmechanismus sorgt für größere und schwerere Gehäuse. Mechanik benötigt ihren Platz
- Langsamerer Autofokus im Live-View – die Fokussierung per schnellem Phasen-Autofokus ist bei DSLRs nur durch den optischen Sucher möglich, im Live-View-Modus kommt technisch bedingt ein wesentlich langsamerer Kontrast-Autofokus zum Einsatz.
- Autofokus im Sucher begrenzt – die AF-Felder im Sucher sind auf den mittleren Sucherbereich beschränkt. Ein Fokussieren bis an die Ränder ist nicht möglich.
- Keine AF-Motiverkennung – Gesichts-, Augen-, Tier- oder Fahrzeugerkennung gibt es bei DSLRs nicht.
- Kaum noch Innovationen – die meisten Hersteller haben die Ent- wicklung neuer DSLR-Modelle und -Objektive eingestellt. Langfristig wird der Markt für DSLRs schrumpfen, da nur spiegellose Systeme weiter entwickelt werden.
Die spiegellosen Systemkameras (DSLM)
Dieser Kameratyp erlaubt das Wechseln von Objektiven, erlaubt einen größeren Sensor (MFT, APS-C oder Vollformat) und hat sich inzwischen als Standard etabliert.
Alle namhaften Kamerahersteller konzentrieren sich auf die Weiterentwicklung der spiegellosen Kameras.
Durch den Verzicht auf den Spiegel können die Gehäuse kleiner und leichter gebaut werden. Außerdem enthalten sie weniger mechanische Bauteile, was gerade bei den Belichtungszeiten und dem Autofokus zu mehr Leistung führt.
Insbesondere die AF-Motiverkennung, z.B. für Menschen Tiere, Fahrzeuge funktioniert sehr gut und sorgt für deutlich weniger Ausschuss durch falsch fokussierte Bilder.
Auch der elektronische Sucher (eingebauter kleiner Monitor) bietet Vorteile: Die Kamera simuliert auf Wunsch die Belichtung und damit Helligkeit des Bildes vor dem eigentlichen Auslösen. Aber auch Einstellungen wie Weißabgleich oder Bildstil können in der Vorschau sichtbar werden. Gerade für Einsteiger*innen ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber Spiegelreflexkameras.
Bleibt noch die interne Bildstabilisierung zu erwähnen, die zumindest bei vielen Modellen inzwischen Standard ist und die Verwacklungsgefahr noch einmal deutlich senkt.
Hinsichtlich der Bildqualität haben DSLMs allerdings keinen Vorteil gegenüber den Spiegelreflex-Modellen. Es geht eher um zusätzliche technische Features.
Spiegellose Systemkamera Vor- und Nachteile
Vorteile
- Kompakter & leichter – durch den fehlenden Spiegelmechanismus können die Hersteller kleinere und leichtere Gehäuse bauen.
- Schneller & präziser Autofokus – dieser ist besonders bei Augen-/Ge-sichtserkennung und bei bewegten Motiven überlegen. Die Kamera kann die gesamte Sucherfläche zum Fokussieren nutzen, nicht nur die Mitte.
- Elektronischer Sucher (EVF) – Echtzeit-Vorschau mit Belichtungssimulation, Fokus-Peaking und Vorschau-Histogrammanzeige.
- Moderne Technik & Innovationen – Kontinuierliche Weiterentwicklung, Firmware-Updates, KI-gestützter Autofokus, Bildstabilisierung im Gehäuse (IBIS).
- Leise oder gar lautlose Aufnahmen möglich – da es keinen Spiegelmechanismus gibt, der das typische Doppel-Klack-Geräusch macht, sind DSLM-Kameras in der Regel deutlich leiser. Wird der elektronische Verschluss verwendet, kann man sogar lautlos auslösen. Damit sind sie besser für ein unauffälliges Fotografieren geeignet.
Nachteile
- Akkulaufzeit kürzer – der Elektronische Sucher verbraucht mehr Strom als der optische Sucher einer DSLR.
- Höherer Preis – moderne, spiegellose Kameras sind in der Regel teurer, als vergleichbare DSLRs, erst recht, wenn letztere gebraucht erstanden werden.
- Der elektronische Sucher kann, besonders bei Einsteigermodellen, in dunklen Umgebungen oder bei schnellen Bewegungen etwas indirekter wirken und „ruckeln“.
- (Noch) Geringere Auswahl bei Objektiven – obwohl das Angebot wächst, ist die Auswahl an neu gerechneten Objektiven für spiegellose Kameras noch nicht so groß wie für DSLRs (allerdings könnten die „alten“ Objektive adaptiert werden).