Welche Sensorgrößen gibt es überhaupt
Du fragst dich vielleicht, warum es überhaupt Kameras mit verschiedenen Sensorgrößen gibt. Die Sensorgröße wird in erster Linie vom voraussichtlichen Anwendungsgebiet einer Kamera bestimmt.
Digitalkameras werden mit folgenden gängigsten Sensorgrößen angeboten:
- 1-Zoll: ca. 13×9 mm
- MFT (Micro Four Thirds): ca. 17 x 13 mm
- APS-C: ca. 24 x 16 mm
- Vollformat (Kleinbild): 36 x 24 mm

Eine erste Faustregel: Je größer der Sensor, desto besser ist die Bildqualität, da die einzelnen Pixel auf dem Sensor größer sind und dadurch mehr Informationen sammeln können. Dadurch entstehen Bilder mit weniger Bildrauschen und einem höheren Dynamikumfang. Außerdem erhöht der größere Sensor das sog. Freistellpotenzial (unscharfer Hintergrund). Doch es gibt auch einen deutlichen Nachteil: je größer der Sensor, umso teurer, größer und schwerer ist – in der Regel – die Kamera und das/die Objektiv(e).
Hier ein Überblick der Vor- und Nachteile der verschiedenen Sensorgrößen:
1-Zoll Sensor
Vorteile:
Bedingt durch den recht kleinen Sensor, kann der Kamerabody sehr kompakt gehalten werden.
Ebenso die Objektive, denn die darin enthaltenen Linsen müssen nur eine sehr kleine Sensorfläche abdecken. Damit können gerade im Telebereich sehr große Brennweiten bis hin zu 1000mm (verglichen mit dem Vollformat) erreicht werden.
Nachteile:
Fotografiert man gerne Architektur oder Landschaft mit dem großen Bildwinkel eines Ultraweitwinkels, wird es bei dem kleinen Sensor schwierig. Um den Bildwinkel z.B. eines 20mm-Weitwinkels (Vollformat) zu erreichen, bräuchte man eine Brennweite von ca. 3,5mm. Solche kleinen Brennweiten verzeichnen und verzerren aber das Bild sehr stark, worunter die Bildqualität leidet.
Durch die kleine Sensorfläche bleiben die einzelnen Pixel auch dementsprechend klein – um z.B. eine Auflösung von 20 Megapixel zu erreichen. Kleine Pixel führen aber gerade bei schlechteren Lichtverhältnissen sehr viel schneller zu Bildrauschen. An sonnigen Tagen fällt das Problem natürlich nicht so ins Gewicht.
Dieser Sensortyp wird vor allem in sog. Bridgekameras mit fest verbautem Zoomobjektiv verwendet.
MFT Sensor
Diese Sensorgröße wird in Kameras von Olympus und Panasonic verwendet. MFT ist ein Gemeinschaftsprojekt dieser beiden Hersteller mit identischem Objektivanschluss. Somit kannst du Objektive beider Hersteller verwenden. Damit ist die Objektivauswahl deutlich erweitert.
Dieser Sensortyp ist halb so groß wie der Vollformatsensor, allerdings im Seitenverhältnis 4:3.
Vorteile:
Ähnlich wie beim 1-Zoll-Sensor können Kameragehäuse und Objektive sehr kompakt gehalten werden. Der sog. Cropfaktor beträgt bei MFT 2,0. D.h. um den Bildwinkel eines 200mm Objektivs bei Vollformat zu erreichen, benötigt man beim MFT-Sensor lediglich eine Brennweite von 100mm.
Somit sind die MFT-Kameras prädestiniert für die Makro-, Sport- und Tierfotografie.
Nachteile:
Die Pixel auf der immer noch recht kleinen Sensorfläche sind zwar größer als beim 1-Zoll-Sensor, aber trotzdem noch recht anfällig für Bildrauschen. Hohe Auflösungen wie beim Vollformat sind nicht möglich. Meistens beträgt sie um die 24 Megapixel (ohne Pixelshifting).
Auch das Thema Ultraweitwinkel ist nicht unproblematisch. Ein 7mm-Objektiv (entspricht 14mm bei Vollformat) kämpft oft mit Verzerrung, Verzeichnung, chromatischer Aberration und unschönen Reflexen.
Die Schärfentiefe ist bei dieser Sensorgröße von Haus aus recht groß, damit ist es deutlich schwerer, einen unscharfen Hintergrund im Bild zu erreichen.
APS-C Sensor
Der wohl am meisten verbaute Sensortyp in Digitalkameras. Die großen Hersteller Canon, Nikon, Sony, Pentax und Fujifilm bieten zahlreiche Kameramodelle unterschiedlicher Preisklassen mit dieser Sensorgröße an. Die Sensorfläche entspricht ca. 2/3 des Vollformatsensors. Somit ergibt sich ein Cropfaktor von 1,5 (Canon 1,6). Ein sehr guter Kompromiss zwischen Auflösung und Pixelgröße.
Vorteile:
Relativ hohe Auflösung bei gutem Rauschverhalten machen Kameras mit APS-C Sensor zur idealen Einstiegskamera. Die Kameragehäuse und Objektive sind noch relativ kompakt und bezahlbar. Somit auch eine ideale Reisebegleitung.
Der Cropfaktor 1,5/1,6 ermöglicht immer noch einigermaßen transportable Teleobjektive. Im Weitwinkelbereich sind die optischen Fehler wesentlich geringer und beherrschbarer als bei MFT.
Bei Canon, Nikon und Sony können viele native Vollformatobjektive auch an den APS-C Modellen des jeweiligen Herstellers verwendet werden. Somit vergrößert sich die Auswahl und bei einem möglichen Upgrade auf Vollformat können diese Objektive weiterverwendet werden.
Nachteile:
Obwohl es schon einige Kameras mit höherer Auflösung gibt, bleibt der Standard 24 Megapixel. Wer also sehr große Ausdrucke (A2+) von seinen Bildern machen möchte oder gerne Bildausschnitte benutzt, kommt hier möglicherweise ans Limit.
Die Auswahl der nativen APS-C Objektive ist immer noch recht bescheiden. Vor allem mangelt es an lichtstarken Objektiven. Somit landet man relativ schnell bei Vollformatobjektiven, die aber teurer, größer und schwerer sind und dem Cropfaktor unterliegen.
Einzige Ausnahme: Fujifilm. Dieser Hersteller bietet nur APS-C Kameras an und hat eine dementsprechend umfangreiche Auswahl an passenden Objektiven.
Vollformat Sensor
Die Mutter aller Sensortypen und Kameras, die diese Sensorgröße verwenden, sind für viele Fotografie-Begeisterte der Inbegriff der Digitalfotografie.
Diese Sensorgröße entspricht dem analogen Kleibildnegativ von 36x24mm (Verhältnis 3:2). Kameras mit dieser Sensorgröße gibt es von Canon, Leica, Nikon, Panasonic, Pentax und Sony in unterschiedlichen Preisklassen.
Vorteile:
Durch die große Sensorfläche lässt sich entweder eine besonders hohe Auflösung wie z.B. bei der Canon R5, Nikon Z8 (beide 45 Megapixel) oder die Sony Alpha 7R V (61 Megapixel), realisieren oder ein besonders gutes Rauschverhalten bei sehr hohen ISO-Werten und 24 Megapixel umsetzen. Im ersten Fall liefert die hohe Auflösung feinste Details im Bild, im zweiten Fall die wenigen aber dafür größeren Pixel eine deutlich bessere Performance in low-light Situationen. Die größeren Pixel können mehr Licht aufnehmen zu Lasten der geringeren Detailauflösung.
Vollformatsensoren bieten von Grund auf die geringste Schärfentiefe aller vorgestellten Sensortypen. Damit lassen sich mit Vollformat-Kameras am ehesten Bilder mit geringer Schärfentiefe erzeugen. Für alle Bokeh-Fans die optimale Kombi.
Vor allem wenn man bedenkt, dass es eindeutig die größte Auswahl an lichtstarken und hochwertigen Objektiven für das Vollformat gibt.
Da der Crop-Faktor entfällt, gibt es im Ultraweit- und Weitwinkelbereich keine so großen Probleme, was optische Fehler der Objektive anbelangt. Das freut Architektur- oder Landschaftsfotograf*innen.
Außerdem sind niedrigere ISO-Werte im Vollformat realisierbar, bis hinunter zu 64 oder 50 ISO.
Nachteile:
Durch das große Sensorformat werden sowohl die Kameragehäuse als auch die Objektive deutlich größer und schwerer als bei kleineren Sensorgrößen. Das schlägt sich leider auch im Preis nieder.
Wer gerne Sport- oder Wildtierfotografie betreibt, benötigt durch den wegfallenden Cropfaktor, längere Brennweiten, um seine Motive formatfüllend abzubilden, als bei APS-C oder MFT. Beides schlägt sich in höherem Gewicht und Preis nieder.
Fazit
Wenn du neu kaufst, bietet eine Kamera mit APS-C- Sensor das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Ihr Sensor ist noch ausreichend groß, um eine sehr gute Bildqualität abzuliefern und mit geringer Schärfentiefe zu arbeiten.
Wenn du dir vorstellen kannst, auf dem Gebrauchtmarkt zuzuschlagen, kannst du heute aber auch eine Kamera mit Vollformat Sensor zum attraktiven Preis bekommen. Gerade im Spiegelreflexbereich gibt es selbst professionelle Kameramodelle zu einem moderaten Preis – bedingt durch den zahlreichen Umstieg auf spiegellose Systemkameras.