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Technik

Blende einfach erklärt – So beeinflusst sie Licht und Schärfentiefe

9 min Lesezeit

Was ist die Blende und wie beeinflusst sie deine Fotos? Lerne einfach, wie Blendenzahl, Licht und Schärfentiefe zusammenhängen.

Blende einfach erklärt – So beeinflusst sie Licht und Schärfentiefe

Die Blende gehört zu den wichtigsten Einstellungen deiner Kamera. Sie bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor fällt, und beeinflusst gleichzeitig, wie groß der scharfe Bereich im Bild ist.

Vielleicht hast du dich schon gefragt, warum Portraits oft einen unscharfen Hintergrund haben oder warum bei Landschaftsaufnahmen möglichst viel im Bild scharf sein soll. In beiden Fällen spielt die Blende eine entscheidende Rolle.

In diesem Artikel erfährst du, wie die Blende funktioniert, warum Werte wie f/1.8 oder f/11 verwendet werden und welche Blende sich für welches Motiv eignet.

Was ist die Blende?

Die Blende ist eine verstellbare Öffnung im Objektiv. Über sie wird geregelt, wie viel Licht auf den Sensor der Kamera fällt.

Du kannst sie dir wie die Pupille deines Auges vorstellen. Bei wenig Licht wird die Pupille größer und lässt mehr Licht hinein. Bei hellem Licht wird sie kleiner und reduziert die Lichtmenge. Mit der Blende funktioniert es genauso: Eine große Blendenöffnung lässt viel Licht auf den Sensor, eine kleine Blendenöffnung entsprechend weniger.

Neben der Belichtung beeinflusst die Blende auch die Schärfentiefe. Damit ist der Bereich gemeint, der auf einem Foto scharf dargestellt wird. Eine große Blendenöffnung sorgt meist für einen unscharfen Hintergrund, während bei einer kleinen Blendenöffnung deutlich mehr Bereiche des Bildes scharf erscheinen.

Warum heißen die Werte f/1.8 oder f/11?

Viele Einsteiger wundern sich über die Blendenwerte ihrer Kamera. Intuitiv könnte man vermuten, dass f/11 eine größere Öffnung bedeutet als f/1.8. Tatsächlich ist es genau umgekehrt.

Je kleiner die Blendenzahl, desto größer ist die Öffnung im Objektiv. Je größer die Blendenzahl, desto kleiner wird die Öffnung.

Die Blendenzahl beschreibt das Verhältnis zwischen der Brennweite eines Objektivs und dem Durchmesser der Blendenöffnung. Ein 50-mm-Objektiv mit einer maximalen Öffnung von etwa 25 mm ergibt zum Beispiel den Wert f/2. Wird die Öffnung im Objektiv kleiner, wird der Wert im Verhältnis dazu größer – daher das anfangs verwirrende Verhalten der Blendenzahlen.

Berechnung der Blende
Berechnung der Blende

Für die Praxis musst du diese Berechnung nicht auswendig kennen. Wichtig ist vor allem zu verstehen, wie sich unterschiedliche Blenden auf deine Bilder auswirken.

Blendenöffnungen im Vergleich

Weil die Blendenzahl ein Bruch ist, verhält sie sich umgekehrt zur tatsächlichen Öffnung. Eine kleine Zahl steht für eine große Öffnung, eine große Zahl für eine kleine Öffnung.

BlendenwertÖffnung
f/1.8sehr groß
f/2.8groß
f/4mittel
f/5.6kleiner
f/8klein
f/11sehr klein

Übersicht verschiedener Blendenöffnungen von f/1.8 bis f/11
Übersicht verschiedener Blendenöffnungen von f/1.8 bis f/11

Die Grafik zeigt die tatsächliche Öffnung der Blendenlamellen. Bei f/1.8 ist die Öffnung fast so groß wie das Objektivinnere, bei f/11 bleibt nur noch ein kleines Loch in der Mitte.

Wie beeinflusst die Blende dein Bild?

Die Blende hat zwei Auswirkungen auf ein Foto.

Zum einen bestimmt sie, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Zum anderen beeinflusst sie die Schärfentiefe, also den Bereich, der im Bild scharf dargestellt wird. Je weiter die Blende geöffnet ist, desto kleiner wird der scharfe Bereich. Je weiter sie geschlossen wird, desto mehr Bereiche im Bild erscheinen scharf.

Am besten sieht man das an einem direkten Vergleich.

Portrait-Vergleich: links mit Blende f/1.8, rechts mit Blende f/11
Portrait-Vergleich: links mit Blende f/1.8, rechts mit Blende f/11

Bei beiden Fotos wurden dieselbe Kamera, dasselbe Objektiv und derselbe Bildausschnitt verwendet. Auch die Perspektive und die Entfernung zur Person sind identisch. Verändert wurde ausschließlich die Blende.

Links wurde mit f/1.8 fotografiert. Die Person ist scharf, während der Hintergrund weich und unscharf wirkt. Rechts wurde dieselbe Aufnahme mit f/11 gemacht. Dadurch wird nicht nur die Person scharf dargestellt, sondern auch der Hintergrund ist deutlich besser zu erkennen.

Die Belichtung kann dabei trotzdem gleich bleiben. Wird die Blende geschlossen, gleicht die Kamera das über eine längere Verschlusszeit oder einen höheren ISO-Wert aus.

Welche Blende eignet sich für welches Motiv?

Es gibt keine Blende, die für jede Situation richtig ist. Welche Einstellung sinnvoll ist, hängt davon ab, was du fotografieren möchtest.

MotivTypische Blende
Portraitf/1.8 – f/2.8
Tieref/2.8 – f/5.6
Streetfotografief/5.6 – f/8
Architekturf/8 – f/11
Landschaftf/8 – f/11
Makrofotografief/8 – f/16

Bei Portraits sorgt eine offene Blende dafür, dass sich die Person klar vom Hintergrund abhebt. In der Landschaftsfotografie ist meist das Gegenteil gefragt: Vom Vordergrund bis zum Horizont soll möglichst viel scharf sein, deshalb wird die Blende weiter geschlossen. In der Architektur hilft eine mittlere bis kleine Blende, um Gebäude gleichmäßig scharf abzubilden. Und im Makrobereich ist die Schärfentiefe von Natur aus sehr gering – hier brauchst du oft f/11 oder f/16, damit überhaupt genug vom Motiv scharf wird.

Diese Werte sind Richtwerte. Je nach Motiv und gewünschter Bildwirkung können auch andere Blenden sinnvoll sein.

Warum wird mein Hintergrund nicht unscharf?

Viele Einsteiger glauben, dass allein eine große Blendenöffnung für einen unscharfen Hintergrund sorgt. Tatsächlich spielen mehrere Faktoren zusammen. Eine große Blendenöffnung ist wichtig, aber nur ein Teil des Ganzen.

Neben der Blende beeinflussen folgende Punkte, wie unscharf dein Hintergrund wird:

  • die Brennweite des Objektivs
  • der Abstand zwischen Kamera und Motiv
  • der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund
  • die Größe des Kamerasensors

Vergleich Kaffeetasse: links nah an der Wand, rechts mit weitem Café-Hintergrund
Vergleich Kaffeetasse: links nah an der Wand, rechts mit weitem Café-Hintergrund

Bei beiden Bildern wurde dieselbe Blende verwendet. Der Unterschied entsteht ausschließlich durch den Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Steht das Motiv nah vor einer Wand, bleibt der Hintergrund oft noch gut erkennbar. Befindet sich der Hintergrund mehrere Meter entfernt, wirkt er deutlich unschärfer und löst sich in weiches Bokeh auf.

Für einen richtig weichen Hintergrund lohnt es sich also, alle vier Faktoren zu kombinieren: offene Blende, längere Brennweite, näher ans Motiv gehen und den Hintergrund möglichst weit hinter dem Motiv positionieren.

Wenn du verschiedene Kombinationen ausprobieren möchtest, hilft dir mein Schärfentiefe-Rechner. Dort kannst du Sensor, Brennweite, Blende und Motivabstand einstellen und siehst sofort, wo dein scharfer Bereich beginnt und endet.

Die Blende im Belichtungsdreieck

Die Blende ist eine von drei Einstellungen, mit denen du die Belichtung eines Fotos beeinflusst. Die beiden anderen sind die Verschlusszeit und der ISO-Wert. Zusammen bilden sie das sogenannte Belichtungsdreieck.

Veränderst du die Blende, muss meist auch mindestens eine der beiden anderen Einstellungen angepasst werden. Öffnest du die Blende, gelangt mehr Licht auf den Sensor. Um das Bild korrekt zu belichten, kannst du dann die Verschlusszeit verkürzen oder den ISO-Wert reduzieren. Schließt du die Blende, fällt weniger Licht auf den Sensor – dann brauchst du eine längere Verschlusszeit oder einen höheren ISO-Wert.

Wie diese drei Einstellungen genau zusammenarbeiten, erkläre ich im Artikel Das Belichtungsdreieck einfach erklärt.

Weiterführende Artikel

Häufige Fragen zur Blende

Was bedeutet f/1.8?

f/1.8 ist eine sehr große Blendenöffnung. Sie lässt viel Licht auf den Sensor und erzeugt eine geringe Schärfentiefe – ideal, wenn du dein Motiv vom Hintergrund abheben möchtest.

Welche Blende eignet sich für Portraits?

Für Portraits werden häufig Blenden zwischen f/1.8 und f/2.8 verwendet. Dadurch hebt sich die fotografierte Person vom Hintergrund ab und der Hintergrund wirkt angenehm unscharf.

Welche Blende eignet sich für Landschaften?

Bei Landschaftsaufnahmen wird meist eine Blende zwischen f/8 und f/11 verwendet. So bleibt ein großer Teil des Motivs scharf – vom Vordergrund bis zum Horizont.

Warum wird mein Hintergrund trotz f/1.8 nicht unscharf?

Neben der Blende beeinflussen auch die Brennweite, der Aufnahmeabstand und der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund die Schärfentiefe. Steht dein Motiv nah an einer Wand, bleibt der Hintergrund selbst bei f/1.8 oft noch erkennbar.

Ist f/22 immer besser für mehr Schärfe?

Nein. Zwar wird die Schärfentiefe formell größer, ab etwa f/11 nimmt die Bildschärfe durch Beugung aber wieder ab. Für maximale Schärfe im Bild sind meist f/8 bis f/11 die bessere Wahl.

Fazit

Die Blende beeinflusst nicht nur die Helligkeit eines Fotos, sondern auch die Bildwirkung. Mit einer großen Blendenöffnung kannst du dein Motiv vom Hintergrund abheben, während eine kleine Blendenöffnung für mehr Schärfe im gesamten Bild sorgt.

Welche Blende die richtige ist, hängt immer vom Motiv und deinem gestalterischen Ziel ab. Mit etwas Übung wirst du schnell ein Gefühl dafür entwickeln, welche Einstellung in welcher Situation am besten funktioniert.

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