
Die Canon R10 ist der kompakte Einstieg in die R Serie mit dem kleineren APS-C Sensor. Beim Autofokus erbt sie aber vieles aus den größeren Vollformatmodellen. Im Inneren arbeitet dasselbe Dual Pixel CMOS AF II wie in der R7, samt Motiverkennung und Servo Cases. Einen Bildstabilisator im Body (IBIS) hat die R10 nicht, das ist beim Fokussieren aber zweitrangig. Ab Werk läuft der AF bereits ordentlich, für Portrait, Tier und Sport lohnt sich trotzdem ein bewusster Blick in die Menüs. Wir gehen die relevanten Punkte im Untermenü AF der Reihe nach durch. Den Schwesterbeitrag zur R7 gibt es separat.
Einstellungen im Autofokus Menü (AF) der Canon R10

AF-Menü 1
AF-Betrieb: Hier entscheidest du dich zwischen Servo und OneShot. Sobald sich dein Motiv bewegt oder du im Portrait arbeitest, ist Servo die richtige Wahl, weil der Autofokus dann durchgehend nachführt. Für ruhende Motive aus der Landschaft oder Architektur genügt der statische OneShot. Wechseln kannst du diese Vorgabe auch direkt über das Quickmenü.
AF-Bereich: Von den möglichen Varianten nutze ich im Alltag vor allem zwei. Bei Menschen und Tieren stelle ich auf Gesichts und Augenerkennung, weil die R10 damit sehr zuverlässig auf das Auge geht. Muss ich dagegen auf einen kleinen Punkt scharfstellen, der kein Gesicht ist, etwa in der Landschaft oder an einem winzigen Gegenstand, wechsle ich auf das Einzelfeld. Praktisch dabei: Die Gesichtserkennung greift oft auch bei Motiven ohne Gesicht und verfolgt dann einfach das Objekt. Die restlichen Methoden habe ich abgeschaltet, damit ich zügig zwischen diesen beiden Optionen hin und her springen kann. Der Wechsel klappt außerdem über das Q Menü und die Multifunktionstaste.
Motivnachführung: Diese Option gehört zum Servo Betrieb. Ist sie aktiv, weitet die Kamera die Verfolgung automatisch auf den gesamten Bildbereich aus, solange du den Auslöser halb gedrückt hältst. Der Fokusrahmen bleibt dabei dauerhaft auf deinem Motiv, auch wenn es sich im Bild bewegt.
Motiv z. Erkennen: In den meisten Fällen fotografiere ich Menschen, deshalb steht bei mir Personen. Zur Auswahl stehen außerdem Tiere, Fahrzeuge und die Stellung automatisch. Bei automatisch überlässt du der Kamera die Entscheidung, welches Motiv sie im Bild sucht.
Augenerkennung: Ich lasse das auf Auto stehen, das reicht in fast allen Situationen. Wichtig: Die Funktion arbeitet nur, wenn die Motiverkennung eingeschaltet ist. Für Portraits gibt es einen guten Kniff. Sobald du den Kopf formatfüllend im Sucher hast und vielleicht noch aus dem Halbprofil fotografierst, lohnt es sich, gezielt das linke oder das rechte Auge vorzugeben.
Nachgeführte Motive wechseln: Ein typisches Szenario vom Fußballspiel deines Kindes: Du hast dein Kind sauber im Fokus, und plötzlich läuft ein anderer Spieler durch das Bild und schiebt sich dazwischen. Was soll der Autofokus jetzt tun, beim ursprünglichen Motiv bleiben oder auf das neue umspringen? Genau dieses Verhalten stellst du hier ein. Mit der Ziffer 1 bleibt die Kamera am ursprünglichen Motiv.

AF-Menü 2
Servo-AF: Über dieses Untermenü justierst du, wie flott und wie feinfühlig der kontinuierliche Autofokus arbeitet. Fünf Voreinstellungen stehen bereit, nämlich Case 1 bis Case 4 sowie A für die Automatik. Canon beschreibt die Cases im Handbuch recht ausführlich, deshalb erspare ich dir hier die Wiederholung. Was am Ende passt, hängt stark vom Motiv und von der jeweiligen Aufnahmesituation ab. Mein Rat zum Einstieg: Fang mit Case 1 an, also der vielseitigen Mehrzweckeinstellung, oder gleich mit AUTO, und taste dich von da aus vor.
Bei Case 1 bis Case 4 kannst du zwei Parameter selbst einstellen:
AI Servo Reaktion: Damit legst du fest, wie schnell der Autofokus anspringt, wenn ein neues Motiv im Sucher oder auf dem Display auftaucht.
Nachfahr Beschleunigung/Verzög.: Hier bestimmst du, wie empfindlich der Autofokus auf Tempowechsel deines Motivs reagiert.
Ein Beispiel dazu: Du beobachtest ein Wildtier aus der Deckung eines Gehölzes heraus. Zunächst hast du freie Sicht, das Tier bewegt sich, und du ziehst mit der Kamera mit. Beim Schwenken geraten auf einmal Äste ins Bild, die nur einen oder zwei Meter vor dir liegen. Ob der Autofokus jetzt sofort auf diese Äste springt oder weiter beim Tier bleibt, regelst du über einen Wert von minus 2 für träge bis plus 2 für flink. Auch das solltest du in Ruhe ausprobieren und auf deine Motive abstimmen.

AF-Menü 3
One-Shot AF Prior. Auslösung: Im OneShot Betrieb entscheidest du, ob die Kamera erst auslöst, sobald wirklich scharfgestellt ist, oder ob sie sofort auf den Druck reagiert. Ich stelle das auf Fokus, damit kein unscharfes Bild entsteht.
Vorschau AF: Aktivierst du diese Option, beginnt die Kamera schon mit dem Fokussieren, sobald du den Auslöser antippst. Laut Handbuch kostet das etwas mehr Akku. Ob sich das lohnt, musst du für deinen Einsatz selbst abwägen.
Schärfens. wenn AF unmöglich: Ich lasse das auf On. Off ergibt wohl nur bei sehr langen Brennweiten Sinn. Da ich solche Objektive nicht einsetze, kann ich dir aus eigener Erfahrung nichts dazu sagen.
AF-Hilfslicht Aussendung: Das Hilfslicht unterstützt den Autofokus bei wenig Licht. Das in der R10 verbaute Licht kommt allerdings nur über kurze Distanzen an. Hast du einen Aufsteckblitz montiert, nutzt die Kamera stattdessen dessen Hilfslicht.

AF-Menü 4
Touch & Drag AF-Einstell.: Schalte das ein, wenn du den Fokuspunkt über das Display verschieben willst, während du durch den Sucher blickst. Dazu gibt es noch ein paar Feinheiten, etwa ob nur die linke oder die rechte Displayhälfte reagiert. An der R10 finde ich das besonders nützlich, weil das rückwärtige Steuerkreuz kein umlaufendes Wählrad besitzt.
AF-Ber. begrenzen: Deaktiviere hier die Bereiche, die du ohnehin nie verwendest. Danach geht die Auswahl im Betrieb spürbar schneller.
Empfindlichkeit AF-Messfeld Wahl: Damit stellst du ein, wie empfindlich der Controller reagiert, wenn du damit das Messfeld auswählst.

AF-Messfeld-Ausrichtung: Ein wirklich wichtiger Punkt. Meine klare Empfehlung lautet „Separ. AF-Feld: Bereich + Feld". So merkt sich die Kamera für Hochformat und Querformat jeweils ein eigenes Messfeld, und zwar auch an einer eigenen Position.

AF-Menü 5
Einst. für MF Peaking: Über diesen Punkt aktivierst du das Peaking für den manuellen Fokus. Die Kamera hebt dann die scharfen Kanten deines Motivs farbig hervor, was das manuelle Scharfstellen deutlich einfacher macht. Ich arbeite mit der Empfindlichkeit „Hoch" und meistens mit der Farbe „Rot".
Fokusassistent: Eine weitere Stütze beim manuellen Fokussieren. Ein kleiner Kasten mit zwei Marken zeigt dir an, in welche Richtung du den Fokusring drehen musst und wann dein Motiv scharf ist. Besonders gut funktioniert das bei Personen, sofern du vorher die Motiverkennung passend eingestellt hast.
Movie-Servo-AF: Aktiviere diese Option, wenn du auch filmst. Die Kamera zieht den Fokus dann während der Aufnahme automatisch nach.

AF-Menü 6
Immer Electronic MF: Betrifft den elektronischen Entfernungsring einiger Canon Objektive. Dazu kann ich dir nichts sagen.
Objektiv Electronic MF: Nutze ich nicht.
Fokusring-Drehung: Legt die Drehrichtung des Fokusrings am Objektiv fest, also nach links oder nach rechts.
RF Obj. MF Fokusringempfindl.: Regelt, wie empfindlich der Fokusring auf deine Drehbewegung reagiert. Das gilt nur für Objektive mit RF Bajonett.
Einstellungen im EOS R10 Quick-Menü (Q)
Über die Kachel links oben wählst du hier den AF-Bereich. Ich gehe die Reihe von unten links nach rechts durch.
Für sehr kleine, unbewegte Motive eignet sich der Spot AF oder das etwas größere Einzelfeld. Die beiden folgenden Optionen erweitern das Einzelfeld um zusätzliche Messfelder nach oben, unten, links und rechts.
Deutlich mehr Fläche deckt die Zone ab. Sie passt zum Beispiel für einen Vogel im Flug, den du zusammen mit dem Servo verfolgst. Daneben findest du noch eine senkrechte und eine waagerechte Zone, die du je nach Form deines Motivs einsetzt.
Ganz zum Schluss folgt der komplette Bereich über Sucher und Display. Der ergibt Sinn, sobald Motiverkennung und Servo zusammen aktiv sind.
Die Motiverkennung selbst erreichst du in der rechten Spalte, in der zweiten Kachel von unten.

Zwei wichtige Tasten zur AF-Steuerung der Kamera
Für ein Einsteigermodell ist die R10 bei der Fokussteuerung erstaunlich gut ausgestattet. Neben dem Sucher sitzt ein Joystick, dazu kommt eine eigene Taste mit der Beschriftung AF ON. Damit lässt sich das Fokussieren sauber vom Auslöser trennen und über den Daumen bedienen.
- Joystick: Über den kleinen Hebel neben dem Sucher verschiebst du das Fokusfeld direkt, auch beim Blick durch den Sucher.
- Taste AF ON: Hier lege ich das Fokussieren ab und trenne es damit vom Auslöser. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, möchte es nicht mehr anders.
- Taste für die Messfeldwahl: Sie aktiviert die Auswahl des Fokusbereichs.
- M-Fn Taste: Nach dem Druck auf die Taste für die Messfeldwahl klickst du dich damit durch die verschiedenen Fokusbereiche, ebenfalls beim Blick durch den Sucher.
Ein kleiner Unterschied zur R7: Das Steuerkreuz der R10 besitzt kein umlaufendes Wählrad. Für die Fokussteuerung ist das kaum ein Nachteil, weil du den Fokuspunkt über Joystick und Touchbedienung ohnehin schneller setzt als über jedes Wählrad.
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